Kraft von oben

Tröstende Worte in schwerer Zeit

Predigttext

Der Predigttext steht im Buch des Propheten Jesaia im 40. Kapitel

26 Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat dies geschaffen? Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen; seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt. 27 Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: »Mein Weg ist dem Herrn verborgen, und mein Recht geht vor meinem Gott vorüber«? 28 Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der Herr, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich. 29 Er gibt dem Müden Kraft, und Stärke genug dem Unvermögenden. 30 Männer werden müde und matt, und Jünglinge straucheln und fallen; 31 aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.

Worte aus einer fernen Zeit

Was für tröstende Worte! Als würden sie genau in unsere Zeit passen? Dabei war die Zeit, in der diese Worte hineingesprochen wurden, durchaus eine andere. Es gab keine Pandemie, sondern eine nationale Katastrophe.

Der politische Untergang der Königreiche Israel und Juda

Die Bibel berichtet sehr ausführlich im Buch der Könige, wie das Königreich Juda in eine politische Kathastrophe schlitterte. Ein kleines Königreich, dass im Einflussbereich zweier Großmächte stand. Ägypten, die antike Supermacht und die Reiche des Zweistromlandes. Zunächst die Assyrerer und dann die Babylonier. Schon 722 v. Christus war das Nordreich Israel von den Assyrern erobert worden. Das Südreich mit der Hauptstadt Jerusalem konnten sich noch bis 587 v. Chr. halten. Dann wurde es von den Babylonieren erobert und zerstört. Die Oberschicht wurde nach Babylon verschleppt.

Die inneren Gründe für den Untergang

Es waren aber nicht nur die äußeren Feinde, sondern auch der innere Zerfall, der zum Untergang führte. Deshalb mahnt der Prophet Jesaia (Jesai 7:9)

Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht.

In schwierigen Situationen kann nur der Überleben, der nicht auf sich selber, sondern auf Gott vertraut. Die Bibel immer wieder von politischen Fehleinschätzungen und Überschätzung der eigenen Stärke und Möglichkeiten. Dies hat dann von Innen her zum Untergang des Königreiches Juda geführt.

Das Trostbuch von der Erlösung Israels

Und nun setzt mit Kapitel 40 im Buch des Propheten Jesaia ein neue Epoche ein:

Is. 40:1 Tröstet, tröstet mein Volk! , spricht euer Gott. 2 Redet mit Jerusalem freundlich und predigt ihr, dass ihre Knechtschaft ein Ende hat, dass ihre Schuld vergeben ist; denn sie hat doppelte Strafe empfangen von der Hand des Herrn für alle ihre Sünden.

Der Prophet verkündet den in Babylon Gefangenen den Anbruch einer Gnadenzeit. Politisch hatten die Perser unter König Kyros 539 v.Chr. die Babylonier besiegt. Ein Jahr später gestattet Kyros die Rückkehr nach Jerusalem und den Wiederaufbau des Tempels.

Was diese Worte uns heute sagen

Die Worte aus dem Buch des Propheten Jesaia sind also Worte nach der Katastrophe, wenn es wieder besser geht. Wenn es begründeten Anlass zur Hoffnung gibt.
Dürfen wir auch schon hoffen?

  • Wir haben die erste Phase der Corona Krise überstanden.
  • Die Ausbreitung des Virus wurde gebremst. Die Beschränkungen werden nun leicht gelockert.
  • Noch aber ist unklar, wie lang die Krise dauern wird.
  • Wann es einen Impfstoff geben wird? Ob und wann der Virus noch einmal aufflammt?

Wir werden also noch Geduld brauchen.
Auch damals war Geduld von Nöten. Es dauerte vom Edikt des Kyros noch 23 Jahre bis der Tempel wieder errichtet werden konnte, und über 100 Jahre bis die Mauern Jerusalem wieder aufgebaut waren. Seine politische Größe hat das Königreich Juda nie wieder erlangt.
Es hat also guten Grund, wenn der Prophet sagt:

30 Männer werden müde und matt, und Jünglinge straucheln und fallen; 31 aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.

Wir brauchen also viel, viel Geduld, um die Krise durch zu stehen, damals wie heute.

Wie kann uns Gott Geduld und Kraft geben

Einbindung in religiösen Gemeinschaften stärkt die psychologische Wiederstandsfähigkeit

Die Fähigkeit Krisen zu überstehen wird heute als Resilenz bezeichnet. Resilenz ist die

Fähigkeit, Krisen zu bewältigen und sie durch Rückgriff auf persönliche und sozial vermittelte Ressourcen als Anlass für Entwicklungen zu nutzen.

Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass die Einbindung in eine religiöse Gemeinschaft die Resilenz steigert. Dies geschieht dadurch, dass Menschen sich in religiöse Gemeinschaften gegenseitig helfen, Glauben und Wertvorstellungen stabil zu halten.

Der wachende Gott

Wie das geschehen kann, wird sehr gut an unserem Predigtext deutlich. Der Prophet erinnert seine Höhrer daran, wer Gott ist.
Es könnte ja sein, das man Angesichts einer Krise davon ausgeht, dass Gott schläft, dass er sich abgewendet hat. Die aktuelle Krise lässt uns an Gott zweifeln:

27 Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: »Mein Weg ist dem Herrn verborgen, und mein Recht geht vor meinem Gott vorüber«?

Diesem Zweifel ruft der Prophet das Bild in Erinnerung, dass Gott vollständig Herr der Lage ist:

26 Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat dies geschaffen? Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen; seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt.

In einer Krise könnte man meinen, dass Gott die Welt verlassen hat und dass die Krise damit leer und sinnlos ist.
Wir können den höheren Sinn einer Krise oft nicht verstehen, aber nur deshalb, weil

sein Verstand ist unausforschlich.

ist.
Nein Gott hat sich nicht abgewendet. Er schläft und schlummert nicht. Er ist gerade in Krisenzeiten am Werk. Er schafft und wirkt an unserem Heil.

Die Umdeutung der Krise

Diese Vorstellung hilft uns die Krise umzudeuten und sie als Anlass zur Entwicklung zu nutzen.
Natürlich kannn nicht jede/r diesen Weg im gleichen Maße mitgehen. Wenn man gerade einen geliebten Menschen verloren hat oder die eigene wirtschaftliche Existenz bedroht ist, wird man nur sehr schwer, einen positiven Zugang zu einer Krise finden können. Man ist dann ganz auf die Solidarität der Anderen angewiesen, die einen durch die Krise mittragen.
Trotzdem werden die meisten zustimmen, dass unsere Gesellschaft dringend Veränderung braucht. So wäre es über kurz oder lang nicht weiter gegangen. Jetzt haben wir die Möglichkeit, neue Erfahrungen zu machen.

  • Wir können uns auf das Wesentlche besinnen.
  • Innerlich zur Ruhe zu kommen.
  • Der gesellschaftlichen, wie der gloabalen Entwicklung eine neue Richtung zu geben.

Dass Gott dabei nicht schläft und schlummert und am Wirken ist, gibt uns selbst Kraft und Mut, uns auf diese Entwicklung einzulassen.

Offene Fragen

Trotzdem bleiben natürlich viele Fragen offen: Wie wirkt Gott in der Coronakrise? Hat er etwas gar den Virus als Strafe geschickt?
Der Prophet verstandt jedenfalls die Zerstörung Jerusalems als Strafgericht:

Jesai 40,2 Redet mit Jerusalem freundlich und predigt ihr, dass ihre Knechtschaft ein Ende hat, dass ihre Schuld vergeben ist; denn sie hat doppelte Strafe empfangen von der Hand des Herrn für alle ihre Sünden.

Eine solche Vorstellung ist uns heute fremd geworden. Wir reden lieber vom lieben Gott und dort wo wir ihn nicht mehr verstehen können dann wie der Prophet davon, dass

sein Verstand unausforschlich (ist).

Von dem verborgenen Gott, wie Luther es sagen würde. Wir können manches oft nicht verstehen, ganz besonders, was unsere eigenen Lebensläufe und unsere Schicksalsschläge angeht. - Aber dann gilt um so mehr, daran fest zu halten, dass Gott nicht schläft, dort wo wir müde und schwach werden. Dass er weiterarbeitet, wo wir überhaupt nicht mehr wissen, welcher Schritt als nächstes zu tun ist.