Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit

Predigt über Kol, 1,24,27
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Liebe Gemeinde!
Wer hat sie nicht? Die Sehnsucht nach dem Himmel. Die Sehnsucht nach einem festen, sicheren Ort, einer letzten Zuflucht. Ein Stück heiler geborgener Welt. Einem Ort der Hoffnung gibt. Wo ich aufatmen kann. Ein Stück Himmel eben.
Wir brauchen dies Stück Himmel so dringend, weil unsere Welt eben nicht der Himmel ist. Reden wir mal gar nicht von den schlimmen Dingen in unserem Leben und in unserer Welt: von Krieg und Kathastrophen. Oder von persönlichem Unglück, wie Krankheit oder Schicksalsschlägen in der Familie. In diesen Situationen brauchen wir den Himmel nötiger denn je.
Rede wir von dem ganz normalen Alltag, der nach der Urlaubs und Ferienzeit jetzt am Montag wieder beginnt. Der Alltagsmühle mit ihren vielen Beschäftigungen und Sorgen, Den vielen kleinen Details, die uns aufreiben. So schnell geht der Blick für das Ganze verloren, den Sinn in unserem Leben.
Dann sind wir jeden Tag aufs Neue auf der Suche nach dem Himmel, Nach den ruhigen fünf Minuten, nach dem einen Moment, wo wir innehalten können und die Einheit mit uns selbst und mit Gott spüren können.

Eine der vielen tiefsinnigen chassidischen Geschichten, die uns Martin Buber überlieferte, erzählt von einem eigenartigen Menschen, einem „Golem“. Das ist so etwas wie ein selbst­ge­schaffenes Wesen, ein riesiges Mus­kelmonstrum mit äußerst kleinem Gehirn. Die Ge­schichte wird Rabbi Chanoch zuge­schrieben:
Es gab einmal einen Toren, den man den Golem nannte, so töricht war er. Am Morgen, beim Aufstehen fiel es ihm immer so schwer, seine Kleider zusammenzusuchen, dass er am Abend, dran denkend, oft Scheu trug, schlafen zu gehen. Ei­nes Abends fasste er sich schließlich ein Herz, nahm Zettel und Stift zur Hand und ver­zeichnete beim Auskleiden, wo er jedes Stück hinlegte. Am Morgen zog er wohlgemut den Zettel her­vor und las: „die Mütze“ - hier war sie, er setzte sie auf, „die Hosen“ - da lagen sie, er fuhr hinein, und so fort, bis er alles anhatte. „Ja aber, wo bin ich denn?“, fragte er sich nun ganz bang, „wo bin auf der nur geblieben?“ Umsonst suchte und suchte er, er konnte sich nicht finden. So geht es auch uns, sagt Rabbi Chanoch. (Martin Buber, Der Weg des Menschen nach der chassidischen Lehre, Heidelberg 1986, S. 35).
Wir können im Alltag alles möglich finden, strukturieren und organisieren nur uns selbst finden wir uns dabei nicht. Wir gehen verloren.

Der Brief an die Kolosse wurde in einer Zeit, geschrieben in der die Mysterien Religionen boomten. Unzählige Kulte boten die Offenbarung himmlische Geheimnisse und die Erlösung von dem irdischen Leben an.
Das Schema war dabei immer dasselbe: in einer feierlichen Zeremonie wurde der nach religiöse Erfüllung suchende in die Geheimnisse des Kultes eingeweiht. Es gab zahlreiche Weiherede und so musst man sich nach oben arbeiten um immer weiter in die Geheimnisse des Kultes einzudringen. Dies war oft mit einer immer strikteren Enthaltsamkeit oder Askese verbunden. Man wollte sich immer mehr von dieser Welt lösen um Zugang in den vermeintlichen Himmel zu haben.

Im Vergleich dazu bietet der Kolosserbrief seinen Lesern eine Vergleichs weiße einfache Lösung. Christus in euch die Hoffnung der Herrlichkeit.
Christus ist der Schlüssel, der uns den Himmel öffnet, der unsere tiefsten religiösen Bedürfnisse stillt.
Kein mühsamer Weg durch eigene Anstrengung und in Enthaltsamkeit den Himmel zu erreichen wie in den Mysterienreligionen, sondern Christus alleine genügt, um uns die Hoffnung auf die Herrlichkeit des Himmels zu schenken.
Für uns ist es wirklich einfach: auf Gottes Wort hören, Jesus Christus Glauben schenken, ihn in unser Herz einlassen und Christus lebt in uns. Nichts weiter nur dies. Und mit Christus ist uns alles geschenkt, Der ganze himmlische Reichtum der Gnade, der Güte und der Liebe Gottes Er gehört in Jesus Christus uns.

Wie Ist dieses Geheimnis zu verstehen? Es ist Gottes Wort, was Leben schafft. Durch sein Wort, so steht es auf den Anfangszeiten der Bibel hat er die Welt erschaffen und uns selbst ins Leben gerufen. In Jesus Christus ist dieses Wort Mensch geworden. So lesen wir es am Beginn des Johannes Evangeliums: „und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns und wir sahen seine Herrlichkeit, Eine Herrlichkeit Als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“ (Joh 1,12)
Dieses göttliche, lebensschaffende Wort kommt in der Gestalt der Predigt und des Abendmahls zu uns. Wer Jesus hat, der hat damit alles, was es zum Leben braucht. So lesen wir im 1 Johannesbrief: 1John 5:12 „Wer den Sohn hat, der hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht.“

Ich wiederhole noch einmal: für uns ist es einfach:
Das wort Gottes hören. An sein Wort glauben und im Abendmahl schmecken und sehen wie freundlich der Herr ist.
Allerdings ermahnt uns der Kolosserbrief die Dosis nicht zu gering zu halten. Kol. 3:16 „Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen: Lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit; mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern singt Gott dankbar in euren Herzen.“
Reichlich wohnen, d.h. regelmäßig den Gottesdienst besuchen. Regelmäßig die christliche Gemeinschaft zu pflegen, Miteinander das Abendmahl zu feiern.
„Lehret und ermahnet einander“- Damit kann nicht nur die Predigt am Sonntag gemein sein, die ja eine Einbahnstraßenkommunikation vom Pfarrer zur Gemeinde ist, sondern wir sollen uns also Christen auch im Alltag untereinander an das Wort Gottes erinnern und es uns gegenseitig zusprechen. Das kann innerhalb unserer Familien geschehen, aber auch in den vielen Gruppe und Kreisen unser Gemeinde.
Es gibt der alte biblische Grundsatz: „Denn was der Mensch sät, das wird er ernten. 8 Wer auf sein Fleisch sät, der wird von dem Fleisch das Verderben ernten; wer aber auf den Geist sät, der wird von dem Geist das ewige Leben ernten. Ga. 6.6“ Oder auf gut Deutsch: von nichts kommt auch nichts. Wo nicht gesät wird da kann auch nichts wachsen und sich multiplizieren.
Wenn wir das Wort Gottes reichlich in unser Leben einlassen, dann wird es in uns auch seine Kraft und Stärke entfalten und wir werden, wie versprochen die Herrlichkeit erfahren und erleben. Wenn wir dagegen das Wort Gottes verachten oder nur eine Minimaldosis einnehmen, die uns gerade so geistlich über Wasser hält, dann können wir auch nicht erwarten, dass unser Glaube stark, widerstandsfähig und hoffungsbringend ist.

Ich wiederhole noch einmal: für uns ist es einfach: so viel „geistliche Speise" ist für uns zubereitet: die sonntäglichen Gottesdienste in unseren Ortskirchen, Gottesdienste im Radio und im Fernsehen, Andachten in den Tageszeitungen. Einvielfältiges Angebot von kirchlichen Veranstaltung, wie zum Beispiel dem Alpha Kurs der jetzt kommenden Woche startet. Wir brauchen nur hinzugehen und zu konsumieren.

Aber es gibt eben auch noch die andere Seite.: Diejenigen, die dieses reichhaltige Angebot vorbereiten und vorhalten, damit die, die kommen auch satt werden. Paulus schreibt: „Ihr Diener bin ich geworden durch das Amt, das Gott mir gegeben hat, daß ich euch sein Wort reichlich predigen soll“ Sein Amts ist es, das wort Gottes reichlich und zu predigen. Reichlich zu predigen, damit ist auch reichlich gehört werden kann, und es reichlich unter uns wohnen kann. Und damit Jesus Christus die Hoffnung auf die Herrlichkeit in uns lebt.
Ohne diese Predigt, So sieht es der Apostel ganz klar, würde das Geheimnis nicht funktionieren. So schreibt er im Römerbrief : 10,13 Denn »wer den Namen des Herrn anrufen wird, soll gerettet werden«. 14 Wie sollen sie aber den anrufen, an den sie nicht glauben? Wie sollen sie aber an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie aber hören ohne Prediger? 15 Wie sollen sie aber predigen, wenn sie nicht gesandt werden? Wie denn geschrieben steht: »Wie lieblich sind die Füße der Freudenboten, die das Gute verkündigen!«
Deswegen nennt sich der Apostel Paulus auch Diener. „Diakonos“ in Griechischen. Davon kommt unser Wort Diakon. Das ist einer, der am Tisch bedient, damit andere essen können und satt werden. In der ersten Gemeinde waren die Diakonen zuständig, die Witwen mit Essen zu versorgen. Sie wurden deshalb berufen, damit sich die Apostel ihre Hauptaufgabe widmen konnten, Das Wort zu predigen. Paulus sieht sich als Diener nicht für Essen und Trinken, sondern als ein Diener des Wortes, der arbeitet, kämpft und leidet, damit andere geistlich satt werden.
Damit aber tritt der Apostel Paulus in die Nachfolge Christi ein, der von sich sagt: „so wie der Menschensohn nicht gekommen ist, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele.“ Matt 20:28.
Jesus verschenkt sein Leben an uns.
Er gibt sich am Kreuz ganz hin, damit wir ihn haben können.
Er wird arm, damit wir seinen Reichtum haben können.
An dieser Hingabe Jesus für seine Gemeinde hat auch der Apostel Paulus Anteil, wenn er Jesus nachfolgt. So schreibt er in unserem Predigttext: „Nun freue ich mich in den Leiden, die ich (a) für euch leide, und erstatte an meinem Fleisch, was an den Leiden Christi noch fehlt, für seinen Leib, das ist die Gemeinde.“
Das könnte missverstanden werden: so als ob das Opfer Jesu am Kreuz noch unvollständig wäre und wir es durch unsere eigenes Leiden für Christus noch ergänzen oder erweitern könnten. So meint es Paulus natürlich nicht. Aber damit die gute Nachricht vom Leiden und Sterben Jesu Christi alle Menschen erreicht und auf dieser Erde seine Gemeinde entsteht und gebaut wird, ist unsere Hingabe an Jesus notwendig. Und auch die Bereitschaft um Jesu willen Opfer und Leiden auf uns zu nehmen, damit das Wort Christi reichlich unter uns wohnen kann.

Die Weisen aus dem Morgenland haben einen Stern am Himmel gesehen- Sie verstanden ihn als himmlische Botschaft, als einen Wegweiser zu dem, der selbst der Himmel ist. Sie haben sich aufgemacht und sind einen langen Weg gereist um im Stall vom Bethlehem Jesus Christus zu sehen. Sie bringen ihm Geschenke: Gold, Weihrauch und Myrre
Gold steht für das Kostbarste, was die Welt zu bieten hat. Es gebürt nur Königen und Sigern.
Myrre war ein Betäubungsmittel und es diente zur Einbalsamierung der Toten. Es weist hin auf Christi Leiden und Tod
Weihrauch-verweist auf die Göttlichkeit des Beschenkten. Dem aufsteigende Weihrauchduft wurde nachgesagt eine Verbindung zum Göttlichen herzustellen.
Die Weisen aus dem Morgenland haben in Jesus den Himmel gefunden und haben ihm wie Paulus alles gegeben, was sie hatten: ihren irdischen Reichtum, ihre Leidensbereitschaft und ihre Anbetung Amen.