Was ist Rechtfertigung des Sünders?

Predigttext

Lukas 18,9-14 Er sagte aber zu einigen, die sich anmaßten, fromm zu sein, und verachteten die andern, dies Gleichnis: 10 Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. 11 Der Pharisäer stand für sich und betete so: Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner. 12 Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme. 13 Der Zöllner aber stand ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig! 14 Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, nicht jener. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.

Lebenskonzepte

Wir haben es hier mit zwei ganz unterschiedlichen Lebenskonzepteten zu tun.
Der Pharisäer und er Zöllner.
Sie sind sprichwörtlich gemeint oder idealtypisch. Es gibt nicht den einen Pharisäer oder den einen Zöllner.
Aber wir finden in diesen beiden Konzepten sehr viele was auf uns alle zutrifft.
In jedem von uns lebt ein Pharisäer und ein Zöllner

Der Pharisäer

Wissen sie was in Norfriesland ein "Pharisäer" ist? Das ist eine Tasse Kaffe mit Schuss und einer großen Sahnhäubchen oben drauf. Auf einer Tauffeier sollt der Alokoholgenuss vor einem frommen Pfarrer verborgen bleiben. Man ließ sich also etwas einfallen und reichte den Alkohol im Kaffee unter einem Sahnehäubchen. Dummerweise erhielt auch der Pfarrer so einen aufgebessertes Getänk. Als er den Betrug bemerkte, rief er laut in die Runde: "Ihr Pharisäer".
Das Lebenskonzept des Pharisäers beruht also auf einer Täuschung. Was ist diese Täuschung?
Zunächst einmal lebt der Pharisäher ein gut bürgerliches Leben:

12 Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme.

Man könnte das übersetzen:
"Ich gehe sonntags in die Kirche und zahle meine Steuern"
An diesem gut bürgerlichen Konzept ist ja nichts grundsätzlich verkehrtes.
Es ist nun nicht etwas Besonders, was er tut, eben etwas ganz Normales.
Aber der Pharisäher vergleicht sich darin mit anderen Menschen:

Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner.

Für den Vergleich verwedet er ganz menschliche, irdische Maßstäbe an.
Eben ich gebe den Zehnten
Ich faste zweimal die Woche
Das sind irdische, meßbare Maßstäbe.
(Wohgemerkt ist gibt auch die Pharisäer, die sich negativ vergleichen Die würden sich dann vor Gott beklagen: Warum Gott habe ich nicht so ein schönes Haus wie mein Nachbar)
Was ist nun der Irrtum des Pharisäer?
Er verwechselt die geistliche und die weltliche Ebene.
Er meinmeit, weil er vor den Augen der Welt gut ist und besser ist als andere, ist er auch vor Gott gut.
Und obwohl der Phärisäer vorgibt besoders geistlich und fromm zu sein, ist er doch sehr weltlich orientiert.

Der Zöllner

Nun soll unsere Geschichte keinesfalls dazu angregen, dass wir alle "Zöllner" werden.
Jesus hat das Lebenskonzept der "Zöllner" genauso wenig gerechtferigt wie das des Pharisäers.
Und wie wir aus der Geschichte von Zachäus wissen. Die Zöllner verdienten ihr Geld als Kollaboratöre mit der Besatzungsmacht, den Römern. Und sie behielten gerne mal was von den gezahlten Abgaben für sich.
Und Jesus hätte auch zu ihm gesagt:
Gehe hinfort und sündige nicht mehr
Also auf der weltlichen Ebene hat der Zölnner versagt.
Aber was macht er richtig?
Er sieht sein Verhältnis zu Gott mit klaren Augen:

13 Der Zöllner aber stand ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig!

Und kann nun der Evangelist Lukas, der ja wahrscheinlich ein Schüler des Paulus ist, Jesus sagen lassen:

Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, nicht jener.

Damit wird der Zöllner zum Paradebeispiel dafür, wie die Rechtertigunslehere bei Paulus zu verstehen ist.

Die beiden Konzepte im Vergleich?

Wie nehmen wir uns wahr?

Es ist vor allem die Wahrnehmung, in der sich die beiden Konzept unterscheiden:
Der Pharisäer teilt seine Welt in Gut und Böse ein und ordnet sich selbst den Guten zu.
Dr Zöllner hat eine sehr realistische Perspektive, dass er vor Gott ein Sünder ist.
Die Wahrnehmung des eigenen Lebens ist ein erster Schritt für das geistliche Leben.
Wenn ich hier falsch anfange, dann kommen wir geistlich nicht weiter.

Was blockiert nun den Pharisäer?

Er ist in seinem Schubladendenken gefangen. Wenn ich diese bürgerlichichen Maßstäbe erfülle, dann reicht das.
Er gerät in die Fall, dass er sich nur von äußerlichen Motiven treiben lässt.
Und das wird ja an diesem Beispiel sehr deutlich. Er richtet sich ganz an den äußeren Maßstäben aus: Zweimal Fasten, den Zehnten geben.
Es geht aber vielmehr darum von Innen heraus zu leben. Das wahre Leben, das aus der Gnade heraus fließt.

Welche andere Perspektive hat nun der Zöllner?

Welche andere Lebensperspektive hat nun der Zöllner, weil er eine andere Wahrnehmung hat. Das ist die entscheidenede Frage.
Da haben wir ja auf der einen Seite den Pharisäer, ein angeshenens Mitglied der jüdischen Gesellschaft.
Und dann haben wir da den Zöllner, ein Außenseiter, einer der wie wie aus der Zachäusgeschichte wissen, gemieden worden ist.
Und das ist ja das Anstößige bis zum heutigen Tag, dass der Zöllner gerechtfertigt wird.

Maria und Martha Lukas 10,38-42

Er hat um mit einer anderen Geschichte zu sprechen:

das Bessere Teil erwählt.

Dieser Satz stammt aus der Geschichte von Maria und Martha.
Jesus ist mit seinen Jüngern bei den beiden Schwestern zu Besuch.
Während Martha große Sorge Mühe hat, alles Notwendige für die große Jüngerschar herbei zuschaffen, sitzt Maria nur zu Jesus Füßen.
Martha ist in dieser Geschichte, die die nur das Äußere sieht: Bewirtung, Gäste, Essen Arbeit.
Sie ist bewegt vom Gesetz der Gastfreundschaft. Und ganz typisch sie vergleicht sich mit anderen: "Ich mache mehr als meine Schwester". Und sie beschwert sich deshalb bie Jesus über ihre Schwester, die ja nur einfach zu Jesus Füßen sitzt. Martha hat wie der Pharisäer viel "Mühe und Arbeit", aber es kommt eben auf die Beziehung zu Jesus an, zu seinen Füßen zu sitzen und mit ihm Kontakt haben.
Und genau das verstellen sich beide, Martha und auch der Pharisäer, durch ihre Geschäfigkeit.
Sie sind in den äußeren Lebensumständen gefangen.
Und auch daran gefangen, sich mit anderen zu vergleichen.
Während der, der ganz eherlich und offen vor Gott steht, mit Gott verbunden ist,
von Gott selbst angenommen,
seine Liebe selbst tief annehmen kann.
Martha und der Zöllner stehen sich stehen sich selbst im Weg, um zu Gott zu finden

Der verlorene Sohn Lukas 15,11 ff

( Das sieht man sehr deutlich in der Geschichte vom verlorenen Sohn, um noch eine dritte Geschichte zu zitieren:
Der treue Sohn macht dem Vater große Vorhaltungen, als sein Bruder zurückkommt:

Hättest du mir nicht ein Kalb gegeben, um mit meinen Freunden zu feiern.

Der Pharisäer endet schließlich bie Vorwürfen gegenüber anderen und gegen Gott und schließen sich damit selbt von Gottes Gnade aus.)
Und Marta verpasst mit ihrer Geschäfigsein die Chance bei Jesus zu sitzen.

Gott Nahe sein

Und auf diesem Gott-Nahe-Sein, liegt die Verheißung.
Das zählt.
Es zählt am Schlus nicht, ob du dieses oder jenes vollbracht hast.
Ob du nach bürgerlichen Maßstäben etwas geleistet hast,
sonder ob du das Samenkorn des Reiches Gottes in dir trägst
Und das kommt nur daher, wenn wir Gott nahe sind.
Und nackt und bloß vor Gott sagen:
"Gott sei mir Sünder gnädig"
(Oder wie Petrus:

Lukas 5,8 Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch.
"Gehe hinaus von mir, ich bin ein sündiger Mensch

Und Jesus kann ihn dann in die Nachfolge rufen: "Folge mir nach! Ich will das du in meiner Hähe bist. Darin liegt die Verheißung eines geistlichen Lebens)

Die beiden Konzepte heute (Zusammenfassung)

Wir tragen beide Lebenskonzepte in uns:

Pharisäer

Das Konzept des Pharisäers ist in unser leistungsorientierten Welt ganz stark vertreten.
Wir fühlen uns sicher, wenn unsere Schubladen funktionieren.
Wenn wir uns einordnen können.
Schon in der Schule wird verglichen: Ich bin besser oder schlechter als Andere.
Wir kommen also um den Pharisäer nicht herum. Er ist uns quasi vorgegeben.
Die Frage ist, ob dieses Konzept nicht lanfristig eine Engführung ist.
Wir leben im Hamsterrad.
Wir brennen aus (burnt out), wenn wir den Anforderungen nicht mehr gegerecht werden können.
Wir empfinden andere als Bedrohung, sie dürfen nicht besser sein als wir, weil wir ja unser Selbstbild darauf auf baun.

Zöllner

Beim Zölner tun wir uns schwer.
Weil er geradie er in dieser Geschichte einen negativen Beiklang hat. Er ist ja ein "outlaw", ein Ausgestoßener.
Wir wollen kein Außgestoßener sein. Dewegen können wir uns nur schwer in seine Rolle einfinden.
Und desegen finden wir heute so schwer einen Zugang zur Rechtfertigungslehere.
Vielleicht eher noch mit Maria:
Weil zu Jesu Füßen sitzen ist ja ein positives Bild.
Aber so ganz als Bettler vor Gott zu stehen, das fällt uns schwer.
Wir finden da nicht hinein in die Rolle, obwohl wir es ja jeden Gottesdienst sagen "Gott sei mir Sünder gnädig"
Die Maria lässt sich in der Kirche besser verkaufen als der Zöllner. Die Maria medititiert. Sie ist Stille vor Gott. Sie hat Zeit hat für religiöse Übungen. Das ist heute moderner als der Bettler.
Was würde Martin Luther dazu sagen?
Er hatte im Kloster sicherlich viel Zeit zum meditieren und beten. Trotzdem sagt er am Ende seines Lebens "Wir sind Bettler"
Auch das Dasitzen der Maria kann zu einem frommen Werk werden, indem ich besser und mehr bete als Andere.

Frage immer erst Warum?

Um die Rechtferitungslehre neu zu verstehen, müssen wir vielleicht etwas tiefer sehen.

Der goldene Kreis

Der Autor Simon Sinek spricht in seinem Buch "Frag immer erst warum", ein Weltbestseller übrigens, vom goldenen Kreis:
In der Mitte des Kreises steht die Warum-Frage.
Dann kommt als nächster Kreis. Die Frage nach dem Wie?
Und schließlich im äußern Kreis, die Frage nach dem Was?
Simon sagt nun es gibt zwei Richtungen, wie man Leben gestalten kann.

Von Außen nach Innen

Entweder man beschreitet den Kreis von Außen nach innen., also vom Was? über das Wie? zum Warum? Dabei stehen die Was? und Wie Fragen am Anfang, im Vordergrund. Und erst am Schluss kommt die Warum-Frage? Sie bleibt quasi hinter den ganzen Sachfragen gleichsam nebulös.
Das enspricht sehr dem Konzept des Pharisäers. Er ist sehr mit dem Wie und dem Was beschäftigt, mit der Einhaltung der äußerne Gebote.
Ich halte die Gebote
Da kann er einen Tick davor machen.
Die Frage nach dem Warum spielt bei ihm keine große Rolle
(Wobei man natürlich ehrlicher weißen sagen muss, dass Judentum viel über das Warum nachdenkt : z.B. Doppelgebot der Liebe (z.B. Matt 22,35-39) Aber und das wird durch Jesus kritisisert, dass bei der Einhalt der Gebot nicht an das Warum, den tieferen Sinn nachgedacht wird.

Markus 2,27 Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen.)

Wer das Warum vergißt, gerät sehr schnell in das Hamsterrad. Er ist von den Wie und den Was- Fragen, den Sachfragen gefangen.
Das ist nach Simon Sinek, Stress.
Man ist nur noch dabei seine Todo-Listen abzuarbeiten.
Man ist gefangen durch die Details, die Fakten

Von Innen und Außen

Oder man beginnt im Goldenen Kreis Innen von Innen und fängt mit dem Warum an. Das ist auch das Konzept für das der Autor eintritt: "Frag immer erst warum?"- so der Titel.
Und aus dem Warum ergeben sich dann die Was und Wie fragen. Die Was und Wie fragen sind schon wichtig, aber es ist nicht der Punkt, wo ich anfangen muss.
Das ist das Konzept des Zöllners. Er weiß dass er bei den Was und Wie fragen nichts abzuliefern hat. Sondern er fängt radikal bei dem Warum an? Und hier ist ganz klar und eindeutig: "Gott sei mir Sünder gnädig"
Ich habe beim Was und Wie so viel verbockt, ich komme da nicht weiter.
Ich muss zur Quelle zurück
Ich muss zu Gott zurück
Ich muss von dort anfangen
Und muss mein Leben von dort her aufbauen.
Daraus ergibt sich eine innere Kraft, die unser Leben hält und trägt.

Neurobiologische Grundlage

Ich will es nur ganz andeuten. Simon beruft sich bei seinem Konzept auf die Hirforschung.
Es gibt ja eine vertikale Gliederung unseres Gehirn.
Das Großhirn hier oben ist für die Was fragen zuständig. Für alles Berechnen, Argumentieren.
Und das Mittelhirn und Kleinhirn mehr für die Wie- und Warum Fragen und für alle Herzensfragen veranwortlichen, die oft nicht mit der Sprache erfasst werden können.

Was bestimmt unser Leben?

Um unser Leben steuern zu können, brauchen wir Symbole und Bilder. Und hier haben wir die Wahl:

Nur Gesetze und Anforderungen?

Wird unser Leben alleine durch Bilder gesteuert, die Was und Wie Fragen beanworten.
Also z.B. Gesetze, Verordnungen, Anforderungsprofile, Maßgaben, Richtlinen Checklisten.
Das ist alles gut und schön.
Aber es erfüllt uns nicht.
Es zerfieselt uns in tausend Teile
Wenn diese Vorstellungen in uns Überhand nehmen, dann werde ich im sprichwörtlchen Sinn zum Pharisäer.
Dann geht es mir nicht mehr um das Wesentliche, sondern ich verstecke das Wesentliche und ich werde zum Heuchler

Oder die Gnade

Oder aber es gibt Bilder und Symbole, die usner Herz ansprechen.
Und hier kommt noch mal Maria ins Spiel
Ich sitze zu Füßen Jesus
Christus ist mir vor Augen.
Ich lasse mich von ihm und seiner Gnade leiten und mein Leben bestimmen.
Und lebe aus seiner Fülle heraus.
Amen